Ein Fall für das Gruselkabinett

Also jetzt mal ehrlich, auf der WU zu studieren ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Richtig gelesen. Ich bin ganz hochoffiziell ordentliche Studentin an der Wirtschaftsuni Wien. Aber an Tagen wie heute frage ich mich tatsächlich was ich dort mache. Hat man erst mal die Steop, kurz für Schweinsgalopp-Talfahrt-Ernüchterung-ohne -Praxiswissen, geschafft, heißt es durchatmen. Die ersten 1.000 Leute wurden vom System ausgesiebt oder haben freiwillig das Handtuch geschmissen. Denkste. CBK steht für Chaos-Beinbruch-Kompromiss. An das Aussieben gewöhnt man sich mit der Zeit in der Hoffnung, dass es mit Fortschreiten des Studiums weniger oder zumindest weniger auffällig wird.

Gelangt man allerdings, so wie ich nun an den Punkt, wo man sich sehr, sehr gerne (auch wenn es manche überraschen mag, bin ich immer noch motiviert tatsächlich zu studieren) auf die sogenannten SBWLs, also die Spezialisierungen, bewerben möchte, hört sich der zuvor beschriebene Spaß auf und die endgültige Ernüchterung folgt. Man ist gewillt etwas zu lernen, sich weiterzubilden, endlich mal in Kleingruppen praxisrelevantere Dinge, als das Herunterbeten des 300-seitigen Statistik-Skriptums, zu bearbeiten. Aber nein! Sorry, du hast einen menschlichen Notendurchschnitt! Kannst es ja noch einmal in einem halben Jahr (!!!) probieren.

Auch wenn man nicht immer ganz objektiv bei sich selbst ist, bin ich davon überzeugt, dass ich für eine Wienerin ziemlich wenig nörgle. Ab und an so ein bisschen, aber das gehört dazu. In diesem konkreten Falle aber bin ich einfach nur wütend, dass mir, die supermotiviert ist etwas für ihre Zukunft zu machen, diese riesigen Stonehenge-ähnlichen Steine in den Weg gelegt werden. Zugleich, und das ist die ironische Komponente dieser Geschichte, habe ich gerade den wahrscheinlich besten Lauf meines Lebens was Jobs angeht. Nachdem sich mein Studium ja „etwas“ in die Länge ziehen dürfte, bin ich gerade auf der Suche nach einem Teilzeitjob (momentan ginge wahrscheinlich sogar Vollzeit) und habe schon ein paar tolle Angebote bekommen. Das freut mich riesig, weil es mir zum einen das dringend benötigte Selbstbewusstsein gibt, und zeigt mir aber auch auf der anderen Seite, dass mit dem System auf der WU etwas nicht stimmt. Studenten, die schön die Zeit haben von 7:59 morgens bis 22:01 abends in der Bibliothek zu hocken (weil arbeiten neben dem Studium ja sowieso nur etwas für die die’s nötig haben ist) werden von diesem System bevorzugt und nach perfekten 6 Semestern Mindeststudienzeit auf die Arbeitswelt a lá Deloitte & Co losgelassen. Sticht man aber, so wie ich, aus der Masse hervor, hat schon etliches an Berufserfahrung und Vorstellungen gesammelt, hat man definitiv keinen perfekten 1er Schnitt und ist somit ein uninteressanter Kandidat für diese Uni und ihr liebevollen Hürden. Na Prost, Mahlzeit!

Aufgeben ist dennoch nicht mein Stil, deshalb kämpfe ich bis dahin für mehr Vielfalt an der WU. „Mehr Vielfalt an der WU“, ich lache jetzt schon hahaha

Bis bald, bleibt schön ehrlich und stark, oder mit Major Lazer’s gesungener Pracht zu sagen: Standing strong as the waves roll over

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: