Eine entschleunigte Rolltreppe

Also jetzt mal ehrlich, vor allem in letzter Zeit lese ich aktiv viel über tagesaktuelle weltpolitische Themen, die ganz bestimmt alles andere als leicht verdaubar sind. Anschläge überall auf der Welt, Panama, das nicht mehr nur als Traumreiseland Medienruhm erhalten hat, clownsähnliche Figuren, die zur Präsidentschaftswahl antreten und noch vieles mehr. Scrollt man morgens erstmal über die Startseite von Facebook, bekommt man von „mindbodygreen“ erzählt, dass in der sowieso noch jungen Beziehung auch unbedingt gleich auf folgendes und jenes geachtet werden muss, andere Blogger posten brav zur selben Zeit ihre Vlogs über Hauls, Candy-Challenges und weiß der Teufel nicht was und ich hab es noch nicht einmal geschafft mein linkes Auge zum Aufwachen zu bewegen.

Die Möglichkeiten unserer Zeit, wie Internet und moderne Technologien, sind ohne Frage etwas Tolles und ich möchte Google & Co nicht mehr missen, aber nicht ohne Grund findet man unter dem Stichwort „Digital Diet“ über 88 Millionen Einträge auf eben genannter Suchmaschine. Wenn ich mich alleine in meinem Freundeskreis umschaue, erkennt man schnell was wir alles tagtäglich leisten: 1.827 Nebenjobs, Haushalt, Studium, Kinder, Bürokratieendgegner und noch vieles machen den Alltag zu einer Challenge an sich.

Weil ich, wie ihr ja mittlerweile schon mitbekommen habt, gerne den etwas anderen Weg nehme und Candy-, Whisper-, Twitter-, Körperteilchallenges und was weiß ich noch alles gerne lustigen Vloggern überlasse, habe ich beschlossen mich der Entschleunigungschallenge zu stellen! Keine Sorge, das hier wird deshalb kein Selbsthilfeblog, sondern einfach nur eine neue Herausforderung. Die Regeln sind dementsprechend einfach (also leicht über den Haufen zu werfen):

  1. In stressigen Situationen dem Stress mal gehörigst den Arsch versohlen – also echt mal, jetzt schreib ich gerade noch über das wissentlich stressige Leben von allen und jedem und sag dann plötzlich: ach bitte, einfach nicht stressen lassen- relax! Ja, genau das ist für mich auch die Challenge und ich werde euch später noch berichten wie es so läuft.
  2. Digital Detox ist die neue Röhrenjeans – sprich: cooler Trend, dem ich gerne ab und an folge und sicher noch eine Schippe drauflegen kann, aber garantiert auch wieder vergehen wird. Spätestens wenn es jeder macht.
  3. Manchmal hilft ein Bussi aufs eigene Bauchi eben doch am besten – will sagen: ab und an sollte man wirklich ein bisschen weniger streng mit sich selbst sein und To-Do-Listen über Board werfen, wenn gerade die Sonne scheint und man die Möglichkeit hat Dinge einfach später zu erledigen. Ich will damit sagen, dass man sich manchmal einfach etwas gönnen soll! Ach ja und apropos Bussi aufs Bauchi: Yoga ist auch eine super Methode zur Entschleunigung hab ich gehört.

 

Zu Punkt 1 gibt es auch noch eine kleine, aber feine Anekdote, über die ihr hoffentlich genauso schmunzeln könnt wie ich: als ich letzten Donnerstag Nachmittag Richtung Arbeit aufgebrochen bin, voll motiviert meine Entschleunigung gleich zur Rushhour in den Öffis zu testen, hat mich das Leben mal ordentlich auf die Probe gestellt. Zuerst einmal ging auch alles gut. Bis, ja bis ich am Stephansplatz aus der U3 stieg. Habt ihr das schon einmal gegen 17 Uhr gemacht? Der Kampf um zur Rolltreppe Richtung Ausgang ist heiß umkämpft zwischen denen, die, so wie ich, ins Freie wollen und denen die zur U1 hetzen. Das ganze gleicht einem Duell zwischen David und Goliath. Vermeintliche „ach-so-wichtigs“ ersprinten und boxen sich den Weg Richtung Untergeschoss, während alle anderen mal blöd aus der Wäsche schauen. Im ersten Moment wollte ich auch erst mal bei dem Spiel namens „Nur die Harten kommen in den Garten“ mitspielen, bin ja nichts anderes von der WU gewohnt, hab mich dann aber an meine Challenge erinnert und „Goliath“ auf mich zukommen lassen. Ruhigen Schrittes und mit Leichtigkeit hab ich meinen Weg durch die Masse gefunden und bin heil vor der imposanten Stephanskirche und ihren Touristenschwärmen angekommen. Zweite Herausforderung des Tages: die Theaterkartenverkäufer. Die kennt ihr bestimmt! Im ersten Bezirk gehören die vor der Hofburg, der Oper und eben auch am obersten Ende der Rolltreppe vor dem Stephansdom dazu, wie die Hipster in den 7. Bezirk. Trotzdem frage ich mich jedes Mal warum sie sich nicht noch näher an den Ausgang kuscheln können. Erinnert mich ein wenig an diese Geschichte:

Joko & Klaas – Stehen, damit es weitergeht

Freundlich grinsend und „Arschloch“ denkend, habe ich dann schlussendlich auch diese Prüfung mit Sternchen bewältigt. Weiter ging es mit bereits erwähnten Touristenmassen. Ich mag ja so prinzipiell keine Menschen, die langsam gehen. Also so richtig langsam. Aber gut, bei Touristen und der wundervollen Kulisse des ersten Bezirks hab auch ich mich mal erbarmt und bin kurz stehengeblieben und mir das anzusehen, was ich ja sowieso eigentlich jeden Tag sehe. Aber hey, das war eigentlich echt beeindruckend was ich da gesehen habe. Und das beste daran kurz innezuhalten war eigentlich, dass mich der nette Theaterverkäufer von eben, als Touristin enttarnt hat und mir eine Karte für den Opernball verkaufen wollte. Für dieses Jahr.

Mit einem Resumee von 324 gedachten Schimpfwörtern, 278 Mal Fäusteballen und nur 2 beinahe Schreikrämpfen habe ich mich für Tag 1 ziemlich gut geschlagen- was meint ihr? Falls es euch interessiert wie es mit meiner Entschleunigungschallenge weitergeht, schaut doch wieder vorbei und lest in meiner Anekdotensammlung wie es läuft!

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