Milano, du schönes Ding du!

Also jetzt mal ehrlich, ich liebe es ja in Städte zu reisen, in denen ich schon mal war und zwar nicht daheim bin, aber mich doch irgendwie so fühle. Aber mindestens genau so gerne entdecke ich ganz neue Teile der Erde, wie zum Beispiel letztes Wochenende, als ich zuerst nach Mailand und danach nach Zürich gereist bin.

Zuerst einmal von Anfang an: von Mailand hab ich echt nicht viel Gutes gehört. Grau und hässlich soll es sein. Die Menschen sollen trotz dem, dass sie in einer Modemetropole wohnen, schlecht angezogen sein. Das Essen auch nicht berauschender als bei Vapiano (und ja, ich mag Vapiano nicht). Soweit, so gut. Weil meine Schwester und ein gemeinsamer Freund von uns aber während meines Auslandssemesters in Schweden (ich berichtete hier: Is this real life in Gothenburg?) selbst ein paar super Kontakte geschlossen haben, hab ich mich kurzerhand drangehängt und wollte mir ein paar Klischees genauer ansehen.

Der Start war auch mal sehr italienisch: der liebevoll genannte „Rage-Driver“ hat zwar ungefähr hunderte Verkehrsregeln (Pannenstreifen sind die neue sechste Spur auf der Autobahn) gebrochen, dafür waren wir aber auch in 20 aufregenden Minuten bei unserem Airbnb. Das was mir auf dem Weg ins Auge gesprungen ist, war auch so gar nicht grau und schrecklich. Eher grün und herrlich. Auch unser Host Andrea (ja meine Lieben, in Italien sind das Männer, die so heißen) hat mit seinem Stil und seiner Hilfsbereitschaft das nächste Klischee aus dem Weg geräumt. Rasten ist bei zwei Tagen Aufenthalt nicht, also erstmal ab zum Supermarkt ums Eck, wo es die nächste Überraschung gibt: ein Kassenzettel, der auf der Vorderseite die eingekauften Produkte listet und rückwärts Summe, Mehrwertsteuer etc. Ich war baff- Umweltschutz in Italien? Aber hallo!

Aufgeregt wie drei Flummis ging es dann auch gleich weiter zum ersten traditionellen mailändischen Essen. Aber halt mal. Wir treffen uns um halb acht? Schon? Ja, und das hat auch einen guten Grund. Mehrere um genau zu sein: vor allem in Mailand wird der Programmpunkt „Aperitivo“ zelebriert, wie die Tea-Time in England. „Drink? Geht eigentlich schon“, dachte ich mir. Aber nicht nur: bestellt man in einem der vielen „Aperitivo-Lokale“ einen Drink staunt man zuerst über die Preise. Mit 8 Euro ist der Gin Tonic doch etwas teuer und ich versuche mir vorzustellen wie es mir dann erst in Zürich gehen wird. Doch zum einen bekommt man ein riesiges Glas (ca. 0,5 Liter), das zur Hälfte mit Gin gefüllt ist und zum Anderen kann man an dem riesigen Buffet gleichzeitig ein umgerechnet dann wieder sehr billiges Abendessen reinstellen.

Danach spaziert man traditionellerweise durch die Gassen der Altstadt beim toll beleuchteten Dom vorbei, die Einkaufsstraße Via Torino hinunter um sich dann schlussendlich am Colonne di San Lorenzo mit anderen zu treffen. Hier zu finden ist ein großer Platz mit Menschen aller Herkunft und Alters, die eine gute Zeit haben wollen. Für Stimmung sorgt ab und zu ein Trommler oder eben die süßen kleinen Bars, wie Luca’s Bar und deren richtig billige Cocktails (€ 3,50 für einen saustarken Gin Tonic) oder Bier (die dürfen allerdings nur in Plastikbechern mitgenommen werden, Glas ist böse).

Am nächsten Tag war ein paar ganz besondere Highlights dran: zuerst zeigte uns Paolo, unser Local, seinen Lieblingsplatz in Mailand, der sofort zu meinem Lieblingsplatz auf der ganzen Welt wurde: Corso Como! Danach ging es direkt weiter zum Friedhof Cimitero Monumentale! So etwas habt ihr noch nie gesehen: kunstvoll bis angsteinflößende Grabstätten laden zum Herumspazieren und Fotografieren ein. In dem Falle lasse ich aber wirklich mal Fotos sprechen:

Irgendwann knurrt der Hunger und verlangt nach richtig gutem Essen. Okay, zugegeben die beste Pizza gibt es ja in Neapel, weil sie da herkommt, aber hey, wir sind in Italien, da muss es überall gute Pasta und Pizza geben, also schleifen wir unsere ohnehin schon müden Hintern zur Pizzeria „Frijenno Magnanno“, die angeblich die besten Pizzen in der Stadt haben. Dort angekommen ist es ca. 22 Uhr, also Hauptessenszeit für die Italiener, ergo wir haben keine Chance auf einen Tisch. Der Magen schreit uns an, kreischt, trampelt mit den Füßen, also beschließen wir uns ganz stilecht einfach eine Pizza zum Mitnehmen zu bestellen. Nur 30 Minuten später dampft die Pizza auch in unseren Händen, leider hat allerdings unsere Zeichensprache die Pizza doch bitte zu schneiden anscheinend nicht funktioniert. Kein Problem, denken wir uns, und zaubern kurzerhand mithilfe eines fast schon schlafenden Italieners eine 50er-Packung quietschgelber Plastikmesser aus den verstaubten Supermarktregalen hervor. Die Rettung!

Unseren Kurztrip haben wir dann abends mit einer richtig lokalen Besonderheit beendet als uns unsere Locals in ihr Stammlokal mitgenommen haben: das Picchio (auf deutsch: der Specht). Es wurde uns vorab schon als sehr heruntergekommen und eher dreckig beschrieben, aber in Wahrheit trifft es das nicht wirklich. Ich würde es eher als eine mailändische Version eines Berliner Spätis bezeichnen. Also kurz: ein Kiosk. Hier treffen sich dann also alle Hipster und Möchtegerns zum Vorglühen bei billigen und sososo starken Drinks, das du meinst du kippst aus den Socken. Um eins ist der ganze Spaß dann vorbei und man zieht ins „Love“ nur zwei Häuser weiter, wo man sich eine Zerrung des Oberschenkelmuskels holen kann, weil man zu sehr zur italienischen Popmusik abgegangen ist.

Danach fallen wir nur mehr mit einem Lächeln ins Bett, denn am nächsten Tag geht es ab nach Zürich. Dazu mehr im nächsten Blogeintrag…

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Ausblick vom Apartmentsbalkon- s’geht
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: