Die Qual der Wahl

Also jetzt mal ehrlich, ich bin besorgt. Besorgt war ich schon immer. Im Kindergarten war ich über die Zusammenstellung des Mittagessens (Kartoffeln mit Nudeln- darf man das dann eigentlich als Hauptspeise deklarieren?) besorgt. In der Volksschule ging es dann mit den Sorgen weiter: mein Sitznachbar hat eine neue Kunstform kreiert, nämlich die, des Tipp-Ex Nagellacks, was er natürlich auch mal an mir ausprobieren wollte. Im Gymnasium wurden die Probleme dann schon fundamentaler, als ich mich fragte, ob Karma nur als Wort zur Beruhigung von gemobbten Menschen erfunden wurde oder auch irgendwann etwas gegen das Mädchen, das mir meinen Alltag alles andere als angenehm gestaltete, tun würde. (Und ja, Karma gibt es, es funktioniert hervorragend). Später habe ich dann meine Schüchternheit und Unsicherheit nach und nach abgelegt und mir Sorgen über meine persönliche Zukunft gemacht. Ist das, was ich studiere wirklich das richtige für mich? Gibt es so etwas wie einen perfekten Deckel für mich, der manchmal eher ein Wok ist? Ist es ok eine Putzfrau mit Mitte 20 zu haben? All das fällt definitiv unter den Hashtag #firstworldproblems oder #firstworldcleaningladyprobs. Doch jetzt bin ich an einem Punkt angekommen, an dem ich mir große Sorgen über die Zukunft eines ganzen Landes oder noch größer: zumindest eines ganzen Kontinents mache.

Als ich da so in froher Voraussicht auf ein leckeres Abendessen in Zürich saß, total gelassen und entspannt, bekam ich eine ordentliche Watsch’n links von rechts in Form des Wahlergebnisses der Bundespräsidentenwahlen 2016. Und da bin ich erst jetzt beunruhigt, fragen sich vielleicht ein paar unter Euch? Natürlich zeichnet sich schon seit längerem ein starker Trend in die rechte Ecke hin ab, dennoch wollte der alte Hippie aus meinem vorherigen Leben diese Tatsache nicht ganz anerkennen und hat sie wohl ein bisschen verdrängt.

In den Tagen nach der Wahl habe ich viele Artikel, Meinungen und Statements im Internet, Social Media Kanälen etc. gelesen und mich auch mit den Menschen in meiner Umgebung ausgetauscht, wie man diesen Trend aufhalten kann. „Waren wir alle zu blauäugig?“, kam mir oft in den Sinn. Was für ein Wortwitz oder? Als ich am Montag nach der Wahl Facebook ging, waren da durch die Bank nur schockierte Äußerungen zum Ausgang zu lesen, gescheite Artikel wurden geteilt, wie die Zukunft Österreichs unter einer FPÖ-Regierung aussehen könnte. Lange habe ich darüber nachgedacht, wie ich mich beteiligen kann und was ich tun könnte. Ich bin doch nur ein Mädchen, das vor seinem Land steht und es bittet mehr zu lieben und weniger Hass zu verbreiten.

Doch was können wir als einzelne Individuen zu einem positiven Ausgang der Stichwahl am 22. Mai 2016 wirklich beitragen? Ich sage es euch: bitte geht wählen! Nutzt euer Wahlrecht und gebt Eure Stimme ab! In zwei Jahren jährt sich übrigens das 100-Jährige Wahlrecht für die Frauen in Österreich, nur so nebenbei.

Ich selbst werde am Tag der Wahl gerade in Oslo sein und somit vorab per Briefwahl wählen. Wer also, so wie ich, nicht im Land weilt oder vielleicht einen Bombenkater plant, um diesen Tag zu überstehen, kann die Wahlkarte also ganz einfach und angenehm hier nach Hause beantragen: Briefwahlkartenantrag

Zusammen sind wir weniger alleine und können noch dazu etwas bewirken, nutzt es und geht zur Wahl! Bitte bitte bitte!

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